Emoji in Sprechblase: Wütendes Gesicht

#onlineradikalisierung

Forschungsergebnisse zeigen, dass das Internet rechte Radikalisierungsprozesse vor allem beschleunigt und verstärkt, aber reale Kontakte und soziale Umfelder weiterhin entscheidend bleiben (Abay Gaspar/Sold 2018; Simi/Futrell 2006). Rechte Propaganda arbeitet mit emotionalisierenden Bildern, Feindbild-Konstruktionen, Desinformation und einer zielgruppenspezifischen Ansprache, die sich an jugendlichen Lebenswelten orientiert (Knipping-Sorokin/Stumpf 2018).

(Extrem) rechte Gruppen nutzen gezielt Plattformen wie Instagram, TikTok, Telegram und YouTube, um junge Menschen zu erreichen. Dabei sind die rechten Inhalte an jugendliche Lebenswelten angepasst durch Jugendsprache und Popkultur-Referenzen, häufig mit Bezug zu Gaming, Meme-Kultur und aktueller Musik. Sie setzen also stark auf jugendaffine Kommunikationsformen und Influencer*innen-Strategien, um ihre Botschaften subtil zu vermitteln. Zum Beispiel dient Instagram als Knotenpunkt für Netzwerke, Veranstaltungswerbung und Mobilisierung über scheinbar harmlose Profile. Bei Sperrungen auf Plattformen durch deren Betreiber*innen erfolgt häufig ein „Plattformhopping“ zu weniger kontrollierten Plattformen wie Telegram. Dabei werden häufig digitale Hass-Kampagnen in Chatgruppen (u.a. bei WhatsApp oder Signal) koordiniert.

Durch Memes und virale Trends werden rechte Inhalte so verpackt, dass diese harmlos wirken. Starke Emotionalisierung schafft dazu Feindbilder und polarisiert durch vereinfachte Botschaften im Freund-Feind-Schema. Desinformation (Fake-News) und Verschwörungserzählungen schüren zusätzlich Misstrauen gegenüber demokratischen Institutionen. Die Selbstinszenierung rechter Gruppen und Influencer*innen ist dabei modern, sportlich und „heimatverbunden“.

Um (extrem) rechte Online-Radikalisierung zu begegnen, sind politische Bildung, Medienkompetenz und lebensweltorientierte Ansätze wichtig. Pädagog*innen sollten aktuelle rechte Online-Trends kennen und Jugendliche befähigen, kritisch mit digitalen Inhalten umzugehen.

Wir beraten zu rechten Online-Phänomenen und Rechtsextremismus im Netz und wie Sie pädagogisch damit umgehen können.


Quellen

Abay Gaspar, H./Sold, M. (2018): Online- oder Offline-Radikalisierung – oder doch ein Mix?

Knipping-Sorokin, R./Stumpf, T. (2018): Radikal Online – Das Internet und die Radikalisierung von Jugendlichen

Simi, P./Futrell, R. (2006): Cyberculture and the Endurance of White Power Activism

Amadeu Antonio Stiftung (2017): Digital Streetwork. Pädagogische Intervention im Web 2.0